Hintergrundinformationen

Mit kreativem Engagement gegen Mangelernährung in Deutschland Zukunft sichern

Rund zwei Milliarden Menschen weltweit sind von verborgenem Hunger betroffen. Sie leiden an einem dauerhaften Mangel an Mikronährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und/oder essentiellen Aminosäuren.

Mangelernährung hat damit eine noch nie dagewesene Dimension erreicht.

Doch erst seit wenigen Jahren wird das Ausmaß des verborgenen Hungers in der Öffentlichkeit sichtbar, auch, weil der Fokus der Medienberichte über Hunger bislang überwiegend auf Unterernährung lag.

Strategische Diskussionen um die Neuausrichtung der internationalen Entwicklungspolitik der UN für den Zeitraum 2016 bis 2030 verändern derzeit den Blickwinkel; ausreichende Ernährung zu sichern gilt als ein Schlüsselfaktor für die Zukunft der Menschheit.

Neue globale Aktionsbündnisse entstehen weltweit, um die Ursachen von Mangelernährung zu bewerten und um ihre Folgen zu bekämpfen. Deutschland ist aktiver Player in dieser internationalen Allianz und steht zugleich im eigenen Land vor der Herausforderung, wirksame Maßnahmen gegen den verborgenen Hunger zu initiieren.

Mangelernährung führt zu gravierenden Langzeitfolgen sowohl im Lebenszyklus eines Einzelnen als auch in einer Gesellschaft. Dieser Kreislauf kann nur durchbrochen werden, wenn individuelles Engagement gesundheitspolitische Rahmenbedingungen ergänzt.

Die Initiative Teens4Kids ist mit ihren Partnern der Aufgabe verpflichtet, kreative Impulse für das individuelle Engagement gegen Mangelernährung zu finden und zu fördern.

Mangelernährung und verborgener Hunger

Der Begriff Mangelernährung umschreibt übergreifend ein Ernährungsdefizit. Ernährungsdefizite entstehen insbesondere dann, wenn dem Körper zum Beispiel Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente dauerhaft zu sehr fehlen, um eine stabile Gesundheit aufrechtzuerhalten. Anders als bei einem Mangel an Eiweiß, Kohlenhydraten und Fetten, der im Körper rasch als akuter Hunger spürbar ist, äußern sich die Defizite in der Mikronährstoffbilanz über einen längeren Zeitraum nicht in klinischen Symptomen und sind auch biochemisch nur ganz schwer nachweisbar. Mangelernährung schadet über einen langen Zeitraum im Verborgenen.

Verborgener Hunger kann auch als Folge von Fehlernährung auftreten, und zwar dann, wenn der Energiebedarf des Organismus durch Eiweiß, Kohlenhydrate und Fette ausreichend oder sogar überschüssig gedeckt ist, in der Nahrung dennoch lebenswichtige Mikronährstoffe fehlen. Und so ist krankhaftes Übergewicht nicht selten ein verstecktes Zeichen für Mangelernährung.

Der anschauliche Begriff des verborgenen Hungers (hidden hunger) illustriert die Besonderheit des Defizits an Mikronährstoffen und findet daher immer mehr Verbreitung.

Sichtbare Folgen des verborgenen Hungers

Körperliche Schwäche, Antriebslosigkeit und Müdigkeit sind erste, unspezifische Symptome von Mangelernährung. Leidtragende sind insbesondere die Kinder.

Ernährungsfehler in den ersten 1000 Tagen eines Kindes prägen es unter Umständen bis zu seinem Lebensende und lassen sich kaum kompensieren. Mehr noch, sie werden als eine gefährliche Hypothek der in der frühen Kindheit mangelernährten Eltern an ihre Nachkommen weitergegeben.

Sichtbar wird der verborgene Hunger vor allem an einem zu geringen Längenwachstum (Stunting).

Stunting fällt in Deutschland längst nicht so gravierend aus wie in den Entwicklungsländern. Dennoch gibt es hierzu mögliche Anhaltspunkte, obgleich anthropometrische Daten umstritten sind. So zeigt eine brandenburgische Studie aus dem Jahr 2010, dass sozial benachteiligte Kinder im Durchschnitt kleiner sind als Kinder aus bessergestellten Haushalten. In Familien mit vielen Kindern erreichen die Letztgeborenen oft nicht die altersentsprechende Körpergröße. Auch krankhaftes Übergewicht kann in Deutschland ein Indiz für Mikronährstoffmangel sein.

Zu den schwerwiegenden Langzeitfolgen des verborgenen Hungers zählen neben den Wachstumsstörungen ein dauerhaft geschwächtes Immunsystem und Einschränkungen in der neurologischen und kognitiven Entwicklung. Die Art der Schädigungen hängen auch davon ab, welcher Mineralstoff oder welches Vitamin einzeln oder in Kombination dauerhaft fehlt: Zinkmangel schwächt das Immunsystem, Eisenmangel beeinträchtigt die Hirnentwicklung, Vitamin A-Mangel mindert die Sehkraft unter anderem. Da Mikronährstoffe vernetzt im Stoffwechsel wirken, bedingt der Mangel einer Komponente oft weitere Defizite. Viele Elemente dieses Wechselspieles sind noch Gegenstand der Forschung. Sicher ist jedoch, dass Mangelernährung gravierende Langzeitfolgen nach sich zieht.

Mangelernährte Kinder bleiben ihr ganzes Leben lang einem mehrfach höheren Risiko ausgesetzt, an Herz-Kreislauf- und chronischen Lungenerkrankungen, Diabetes und Krebs zu erkranken. Auch ihre kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit als Erwachsene liegt bis zu 20 Prozent unter dem Durchschnitt für ausreichend ernährte Gleichaltrige.

Die Folgen von Mangelernährung mindern nicht nur die Zukunftsaussichten der Betroffenen, sondern auch das sozioökonomische Entwicklungspotential einer Gesellschaft. In den meisten Entwicklungsländern ist das Bruttoinlandsprodukt aufgrund der Auswirkungen von Mikronährstoffmangel der Bevölkerung um 0,7 bis 2,0 Prozent reduziert. Für Deutschland liegen noch keine entsprechenden Schätzungen vor.

Mangelernährung in Deutschland im sozialen Kontext

Wenn auch die schwerwiegenden Folgen von Mangelernährung überwiegend in den Entwicklungs- und Schwellenländern auftreten, wird der verborgene Hunger auch in Deutschland zunehmend zum Problem.

Vor allem wachsende Armut trägt neben mangelnder Bildung und einseitigen Ernährungsgewohnheiten entscheidend dazu bei, dass trotz der Fülle und der Vielzahl vorhandener Lebensmittel eine qualitativ hochwertige Ernährung nicht für alle gleichermaßen verfügbar oder auch akzeptiert ist. Rund ein Fünftel der Bevölkerung lebt in Deutschland unterhalb der Armutsgrenze, rund 1,2 Millionen von ihnen sind Kinder. Sie haben zu den rund 250.000 in Deutschland verfügbaren Lebensmitteln nur beschränkt Zugang.

Analysen belegen seit längerem, dass Hartz IV nicht ausreicht, um sich gesund zu ernähren. Beispielsweise sind lediglich zwei bis drei Euro im Regelsatz für die Ernährung der Vorschulkinder vorgesehen, obgleich mindestens das Doppelte benötigt wird, um die nötige Ernährungsvielfalt zu sichern. Betroffen sind vor allem Alleinerziehende, die im Vergleich zu Paarfamilien im Bundesdurchschnitt fünfmal häufiger auf Hartz IV angewiesen sind.

Die aufgrund eines zu geringen Einkommens erzwungene Einschränkung geht meist zu Lasten der Ernährungsqualität. Ärmere Familien sparen meist an Strom und vor allem am Essen. Betroffene greifen so öfter zu den billigen und fettreichen Lebensmitteln, während frisches Obst und Gemüse als klassische Nährstofflieferanten selten auf Dauer finanzierbar sind. Tafeln sichern in der Regel das Sattwerden, aber nicht die optimale, ausgewogene, hochwertige Nährstoffversorgung.

Die Konsequenz ist sichtbar: Kinder aus armen Familien sind in Deutschland dreimal so häufig stark übergewichtig wie Kinder aus bessergestellten Familien. Ebenso leiden sozial benachteiligte Kinder öfter an ernährungsbedingten, chronischen Krankheiten, insbesondere an Typ 2-Diabetes oder an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Magersucht, Allergien und Neurodermitis belasten dagegen eher Kinder aus reicheren Familien. Aussagen zum verborgenen Hunger bei Flüchtlingskindern liegen noch nicht vor, gehören jedoch auch zum Gesamtbild von Mangelernährung in Deutschland.

Und noch ein weiterer Aspekt wird in Zukunft immens an Bedeutung gewinnen, die Sicherung der Nährstoffdichte, das heißt einer Ernährung mit Lebensmitteln, die im Verhältnis zum Energiegehalt reich an Vitaminen sowie Mineralstoffen (und Proteinen) sind, zum Beispiel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fettarme Milch und Milchprodukte, Fisch, Putenfleisch und anderes mageres Fleisch, Eier, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen.

Qualitativ hochwertige Nahrungsmittel sind jedoch keine Selbstverständlichkeit. Starke Verarbeitung von Lebensmitteln, Fehler im Transport und in der Lagerung, Monokulturen, Klimawandel und Korruption tragen dazu bei, dass es immer schwieriger wird, Lebensmittel mit einer hohen Nährstoffdichte zur Verfügung zu stellen. Wie die Verbreitung des verborgenen Hungers vollzieht sich die nachteilige Veränderung der Nährstoffdichte nahezu lautlos und unbeachtet – auch in Deutschland.

Staatliche Rahmenbedingungen und individuelles Engagement

Gesunde Ernährung von Kindern ist zunehmend Thema in der Entscheidungsfindung auf höchster politischer Ebene. So beriet der Bundestag zu Jahresbeginn über Vorlagen zu „Gesunde Ernährung stärken – (regionale) Lebensmittel wertschätzen“. In der Diskussion sind Maßnahmen zur qualitativen Verbesserung der Verpflegung in der Schule und Wege, um sozial benachteiligte Kinder daran teilhaben zu lassen. Der Erwerb eines „Ernährungsführerscheines“ soll vor allem Grundschüler anregen, Ernährungswissen zu festigen. Programme wie IN FORM, Gesund ins Leben, Schule i(s)st gut und Teller statt Tonne trainieren gesundheitsförderliche Ernährungsgewohnheiten in der Schule.

Nachhaltige Veränderungen im Lebensstil sind jedoch ebenso ein Ergebnis aus der Schnittmenge zwischen den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und der individuellen Entscheidung, Chancen zu nutzen. Und gerade Ernährung ist immer auch eine persönliche Angelegenheit.

Wir entscheiden uns bei der Wahl für eine Ernährungsweise immer auch für eine Zukunftsoption für uns und für unsere Umwelt. Diese Entscheidung bewusst und verantwortungsvoll zu treffen, möchte die Initiative Teens4Kids erleichtern.

Die Initiative Teens4Kids

Die Initiative „Teens4Kids – Gesundheit macht Schule!“ geht davon aus, dass es des Engagements aller Beteiligten und nicht nur staatlicher Vorgaben bedarf, um den verborgenen Hunger in Deutschland zu begrenzen. Gerade die neuen Medien bieten hierfür ein Spektrum von bislang nie dagewesenen Möglichkeiten, sich auch als Einzelner kreativ in die öffentliche Meinungsbildung einzubringen.

Digitale Medien beispielsweise gehören zum Lebensalltag aller Bevölkerungsschichten. Sie ermöglichen und beschleunigen mehr denn je den Zugang aller zu Informationen, auch im Bereich der Gesundheitsvorsorge. Doch es kommt darauf an, dass diese Informationen auch abgerufen werden. Und dies gelingt immer dann am besten, wenn sie an die Erlebniswelt der Nutzer auf Augenhöhe anknüpfen. Diesen Ansatz möchte die Initiative Teens4Kids mit ihren Projektpartnern Assmann-Stiftung für Prävention, F.A.Z. und UBS Optimus Foundation innovativ fördern.

Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 12 sind aufgerufen, Ideen zu finden, wie mit Hilfe neuer Medien Konzepte zur Prävention und Bekämpfung von Mangelernährung so ansprechend dargestellt werden können, dass Gleichaltrige diese Impulse aufgreifen wollen und können, um Veränderungen im Alltag und in der unmittelbaren Umgebung anzuregen. Interessierte Teams bewerben sich mit einem Steckbrief und einem kurzen Video, in dem sie sich und ihre Idee möglichst aussagekräftig vorstellen. Für die Vorbereitung sowie den Projektzeitraum stehen den Teams die F.A.Z., eine Sammlung von Best-Practice-Projekten, Leseempfehlungen auf der Projektseite Teens4Kids sowie ein Facebook-Kanal zur Verfügung.

Alle Wettbewerbsergebnisse sollen einen konstruktiven Beitrag im Kampf gegen Mangelernährung leisten und dabei eine hohe Reichweite, zum Beispiel in sozialen Netzwerken, erzielen und zum Nachmachen anregen. Folgende Formate können eingereicht werden: Videos, Songs, Comics, Poster, Spiele, Webseiten, Fanpages sowie Bilderboards.

Neben der Präsentation der Wettbewerbsidee dokumentieren die Teams anschaulich den gesamten Arbeitsprozess. Dazu erhalten die Lehrkräfte im Vorfeld ein Wettbewerbshandbuch mit Empfehlungen und Anleitungen.

Grundlegende Dokumente zum Thema

Auf der Webseite der Initiative „Teens4Kids – Gesundheit macht Schule!“, www.teens4kids.de, und der Assmann-Stiftung für Prävention, www.assmann-stiftung.de, sind für das Thema der Ausschreibung konzipierte Hintergrundinformationen verfügbar, die nach dem Stand internationaler Präventionsforschung ständig ergänzt werden.

Fundierte Informationen zum Thema enthalten ebenso: